Großer Vergleichstest: Grüne Bücher

„Greenery“ ist die Farbe des Jahres. Sie wollen auch mehr grün in Ihrem Bücherregal? Na dann los! Doch das ist manchmal gar nicht so leicht wie es scheint. Viele schöne grüne Titel bietet der Buchhandel, doch hält der Inhalt auch was der grüne Einband verspricht?
Sieben Meisterwerke der Weltliteratur stehen auf dem Prüfstand, allen gemein ist der herzhaft grün gestaltete Einband. Wir haben die einzelnen Bände genauestens unter die Lupe genommen und nach den Kriterien Farbe, Lesbarkeit, Humor, Besonderheiten und Gesamteindruck begutachtet.

 


Das Dschungelbuch

Rudyard Kipling

Paul List Verlag / Bertelsmann Ausgabe von 1951, Leinen, 408 Seiten

 

Farbe: sattes urwaldgrün

Lesbarkeit: Sieben Kapitel hat man im ersten Buch zu lesen, die Teile dazwischen muss man singen! Nur die ersten drei davon handeln von Mogli, Balu und Shir Khan, danach wird etwas völlig anderes erzählt. Meine Lieblingsfiguren, die Geier, kommen gar nicht vor.

Humor: Der Disney-Film von 1967 gehört zu meinen Lieblingsfilmen, hat mit diesem Buch aber gar nichts gemein.

Besonderheiten: Vom Ansatz sehr grün in der Thematik (weil viel Dschungel), schön erzählt, aber alles falsch.

Gesamteindruck: Das Dschungelbuch könnte als die Mutter aller grünen Bücher gelten – allerdings ist der Einband der Originalausgabe von 1894 dunkelblau mit goldenen Elefanten.

 


 

Ein Strand für meine Träume

Sergio Bambaren

Piper 2001, Taschenbuch, 160 Seiten

 

Farbe: esotherikgrün

Lesbarkeit: Schon beim Lesen des Autorennamens bin ich mittendrin weggenickt. Die Schriftgröße ist so gewählt, dass man das Buch theoretisch auch mit halbgeöffneten Augen lesen könnte, doch dazu braucht es Mut, Ausdauer und einen sehr, sehr speziellen Humor.

Humor: sehr, sehr, sehr speziell

Besonderheiten: Der Band kommt mit nur rund 4000 Wörtern aus, die sich ständig wiederholen: 136 mal „Herz“, 341 mal „Träume“, 850 mal „Glück“

Gesamteindruck: Ein fesselndes Buch, dass man gerne weiterverschenken möchte, doch man wird es nie wieder los.

 


Ich mach dich gesund, sagte der Bär

Janosch

Diogenes 1985, Pappband, 48 Seiten

 

Farbe: gedecktes moosgrün

Lesbarkeit: Große Schrift, viele bunte Bilder, viel grün im Innenteil.

Humor: ja!

Besonderheiten: Der Hase mit den schnellen Schuhen kommt zu Besuch.

Gesamteindruck: Im Krankenhaus für Tiere liegen grüne Teppiche, die Ärzte sind allesamt Laubfrösche, zu Hause wartet das grüne Sofa aus Plüsch – besser geht’s kaum!

 


 

Dumonts kleines Kräuter-Lexikon

Andrea Rausch, Brigitte Lotz

Edition Dörfler im Nebel-Verlag, blumenwasserabweisender Kunststoffeinband, 300 Seiten

 

Farbe: tannengrün

Lesbarkeit: übersichtlich und reich bebildert

Humor: „Wichtiger Hinweis: Der Tee aus den Wurzeln des Veilchens erzeugt Brechreiz.“ –Gärtnerhumor halt.

Besonderheiten: „50 g Kümmelsamen in einem Mörser zermahlen und dann in ¾ l klaren Schnaps geben. Zehn Tage ziehen lassen und dann abfiltern. Ein Gläschen nach fettem oder blähendem Essen wirkt Wunder.“

Gesamteindruck: „Auf Rosmarin sollte während der Schwangerschaft verzichtet werden, da er die Gebährmuttermuskulatur anregt.“ Hätten Sie das gewusst?

 


 

Der Herr der Ringe

J.R.R. Tolkien

Klett-Cotta, Kartonierte Ausgabe, 26. Auflage 1999, 1258 Seiten

 

Farbe: leuchtendes maigrün

Lesbarkeit: Die ersten 800 Seiten ziehen sich etwas, bis die Protagonisten endlich mal aus den Puschen kommen. Aber danach wird’s verwirrend.

Humor: Zwerge werfen, haha, Zwerge werfen!

Besonderheiten: Dank der vielen Nerds, die während des Studiums täglich Passagen aus dem Buch vortrugen und schwadronierten, der Stoff könne niemals verfilmt werden, und schließlich dank Peter Jackson, der es dann doch konnte, kann man mitreden, ohne das Buch je gelesen zu haben.

Gesamteindruck: Mit dieser Ausgabe im Regal kann man vor allem bei Gästen den Eindruck erwecken, den Herrn der Ringe schon lange vor der Verfilmung gelesen zu haben.

 


 

Die besten Ostfriesenwitze

Onno Freese

Falken-Verlag 1979, Taschenbuch, 110 Seiten

 

Farbe: grasgrün

Lesbarkeit: Um den Leser nicht unnötig zu ermüden, hat der Setzer die Pointen der nur zwei bis drei Sätze langen Absätze jeweils mit einem Sternchen gekennzeichnet.

Humor: Das Werk besticht durch eine ungeschminkt grenzenlose Komik. Kostprobe gefällig? Ein Ostfriese in der Kunsthandlung. „Sie haben im Schaufenster einen Rembrandt für zehn Mark hängen. Ist das ein Original oder eine Kopie?“ Ich schmeiß mich weg!

Besonderheiten: keine

Gesamteindruck: keiner

 


 

100% Grüne Witze

Denis Metz, Ari Plikat, Katharina Greve, Schilling & Blum

Lappan Verlag 2017, Hardcover, 96 Seiten

 

Farbe: premiumgrün

Lesbarkeit: Die Farbe grün zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Band. Das Werk präsentiert sich kurzweilig und reich illustriert.

Humor: höherer Blödsinn

Besonderheiten: Als einziges unter den getesteten literarischen Werken gibt sich 100% Grüne Witze nicht mit bloß einem Autoren zufrieden – gleich fünf hochqualifizierte Fachspezialisten stellen ihre geballte Kompetenz des Grünen Humors unter Beweis.

Gesamteindruck: Die Thematik wird wie nirgendwo sonst grundlegend analysiert und kritisch hinterfragt. Das Buch kann schon jetzt als zukünftiges Standardwerk des Grünen Humors gesehen werden, welches in dieser Art seines Gleichen sucht. Volle Punktzahl!

 


 

Fazit

Mit „100% Grüne Witze“ in Ihrem Bücherregal sind Sie hervorragend beraten. Besser noch mit zehn oder mehr Exemplaren. Kaufen Sie am besten sofort sämtliche Lagerbestände auf!
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